2014.02.02 Wer betrügt, fliegt …

Die Rede ist in der Politik und allen Medien von Menschen, die möglicherweise ins Land kommen, um durch falsche Angaben und Daten unser Sozialsystem auszunutzen.

Die 7 Rumänen in dem Bericht der Goslarschen Zeitung über den „GLOBUS“-Neubau, für die in meinem Haus Unterkunft gebucht wurde, sind aber mit großartigen Versprechungen von Sub-Sub-Unternehmen deutscher, vermeintlich „seriöser“ Baufirmen ins Land gelockt worden und vorab mit der Aussicht auf einen langfristigen gut bezahlten Job um ihre letzten Ersparnisse

in der Heimat betrogen worden. Jeder hat für den in Aussicht gestellten Arbeitsvertrag 250 € und für einen „Gesundheitscheck“ weitere mehr als 100 € bezahlt. Wochenlang wurden sie von einer Baustelle zur anderen geschickt, ohne zu wissen, wie viel Lohn sie erhalten, weil es niemals zu einem korrekten Arbeitsvertrag kam.

Nach meinen Erfahrungen der letzten Monate, in denen ich wiederholt Arbeiter aus Rumänien und Bulgarien beherbergte, und nach Recherchen in einschlägigen Kreisen, war mir bewusst geworden, dass es in allen Fällen ähnlich abläuft.

Früher waren es Frauen, die als Haushaltshilfen angeworben wurden und anschließend im Rotlicht-Millieu landeten und heute werden Männer in ihrer Heimat mit verlockenden Versprechungen nach Deutschland geholt. Auf ordentliche Arbeitsverträge werden sie immer nur vertröstet. Mit Kleingeld für Nahrung und Zigaretten werden sie „ruhiggestellt“und wenn sie dann nach wenigen Wochen den Mut und die Geduld verlieren, reisen sie wieder in die Heimat, weil dort die Familien in der Zwischenzeit ohne den Ernährer auskommen mussten.

Eine ordentliche Abrechnung der Arbeitsstunden findet dann natürlich nicht mehr statt, weil man diese Subunternehmer rechtlich nicht belangen kann oder will. Die Stellen werden dann einfach mit der nächsten Kolonne, die man in Rumänien oder Bulgarien „angeheuert“ hat ersetzt und das Spielchen beginnt von vorn.

Auf meine Einmischung hin hörte ich, dass mich das nichts anginge. „Schmeißen Sie die Leute raus, die interessieren uns nicht mehr!“ Ich entgegnete dann, dass ich erst nach Zahlung der Löhne für die Monteure, über weitere Schritte nachdenken werde. Ich fragte zu diesem Zeitpunkt bei Freunden aus der Politik und den Gewerkschaften nach, wie man diesen Männern helfen kann, die in meiner Küche ohne Essen, Getränke und Zigaretten saßen.

Michael Ohse von der Linken informierte die GZ und der Redakteur fragte bei Globus, Schmidt-Flachdachbau, TesCom und dem Chef der slowenischen Zeitarbeitsfirma nach, wieso die Leute plötzlich von der Baustelle geschickt und ohne Geld nach Hause geschickt werden.

Ein anschließender Anruf eines von der GZ aufgescheuchten Unternehmers wird mir in Erinnerung bleiben, endete er doch mit den Worten: „Herr Holzbach, Sie sind ein Arschloch“. Ich warf jenem „Senior-Chef“ vor, für dieses Debakel mittelbar verantwortlich zu sein und dass dieser Umgang mit Menschen einfach den Kampfgeist aus 40jähriger Gewerkschaftszugehörigkeit in mir geweckt habe.

„Wenn Sie diesen Leuten 200 € in die Hand geben, laufen sie Ihnen weg und kommen nicht mehr zur Arbeit. Diese Erfahrung haben wir mehrfach gemacht!“

„Dann geben Sie ihnen 300 € und sie werden hinter Ihnen herlaufen und jede Arbeit für sie erledigen. Zur Loyalität (ich empfehle Ihnen die Definition dieser Vokabel bei WIKIPEDIA nachzulesen) von Mitarbeitern und Beschäftigten gehört immer eine korrekte Bezahlung.“ entgegnete ich.

Und plötzlich meldete sich auch der Subunternehmer aus Ljubljana bei mir und beeilte sich die Kuh vom Eis zu bekommen. 
Am Abend saß ich mit den Rumänen zusammen, und wir klärten in einem langen Telefonat mit Slowenien, wie viele Stunden jeder abzurechnen hätte.

Am nächsten Morgen bekam ich eine Mail mit einer angehängten PDF-Datei einer bankbestätigten Überweisung der Stundenlöhne in Höhe von 7 Euro.

Und jetzt noch einmal zum Eingangssatz zurück: Wer betrügt fliegt!

Werden wir nicht alle irgendwie betrogen: jene ins Land geholten „Billigarbeiter“ um angemessene in Deutschland gültige Tariflöhne!

Die Einheimischen, die bei den Arbeitsagenturen auf Beschäftigung warten und denen man Tariflöhne nicht zahlen will, betrügt man um ihre Arbeitsplätze, weil diese mit Billigarbeitern besetzt werden.

Die Kunden werden um Qualität betrogen, weil nicht Facharbeiter auf den Baustellen arbeiten sondern viele Menschen, die in ihrer Heimat Kraftfahrer, Frisöre und Landarbeiter waren und hier die Qualitätsarbeit von Fachleuten abliefern sollen.

Und wir werden ALLE betrogen von einer Regierung, die wir in der Mehrzahl gewählt haben und die auf diese Zustände stille hält. Nicht den Teufel an die Wand malen und mit dem Schreckgespenst des „Sozialtourismus“ menschenverachtende Politik machen, sondern Regelungen finden, diesen Menschen, die arbeiten wollen, zu helfen.

Einer der Männer fragte mich: „Ihr habt an jeder Straßenecke Kameras, überall ist Polizei und überall mischt das Arbeitsamt und das Finanzamt mit – warum kann uns keiner helfen eine Arbeit zu finden, damit wir unseren Familien in der Heimat Geld schicken können?“

Wer sind die (Sozial-) Schmarotzer? Jene, die hoffen, in Deutschland einen gutbezahlten Job zu bekommen, oder jene, die die Not und Hoffnungen der Menschen schamlos und ohne Moral ausnutzen?

Fritz Holzbach

Vienenburg, den 02.02.2014

 

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