Mittwoch, 03 Juli 2013 14:20

Der Rechnungshof deckt auf: In von der Leyens Verantwortungsbereich „Arbeitsamt“ stinkt es gewaltig“

ArbeitsamtMit allen Mitteln werden Kunden ausgegrenzt und Statistiken manipuliert.

Aus dem behäbigen Beamtenapparat sollte ein durchgestylter Wirtschaftsbetrieb entstehen, der modernen Anforderungen eines Wirtschaftsbetriebes entspricht.

Was mit hehren Absichten begann, ist vom Fürsorgeunternehmen zum unsozialen Leistungsapparat mutiert.

Nach einem vertraulichen Bericht des Bundesrechnungshofes berichtet über eine Betrugsmentalität, die durch die ganze Bundesagentur für Arbeit zieht.

Eine Agentur sollte Menschen in Jobs bringen. Dieser Umstand wird gezählt, beziffert, verglichen, gemeldet und am Ende entscheidet sich in Nürnberg, wie erfolgreich eine Abteilung tatsächlich war und welche Prämien (ab Teamleiter gibt´s Prämien, weiter darunter leider nur Druck: „Heute wohl genug gegammelt…!“)

Eine Zahl, die dabei über Leistungsprämie oder nicht entscheidet, ist die „Langläuferquote“. Zu viele Kunden mit zu langer Arbeitslosigkeit versauen den Schnitt. Eine Methode zur Schönung: IFLAS soll Arbeitslose wieder fit für den Berufseinstieg machen. So wird auch ein 64-jähriger ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt noch zum Bewerbungsunterricht o.ä. geschickt, Hauptsache er fällt aus der Statistik heraus. Da wird es zur Normalität, dass Druck auf Angestellte ausgeübt wird, um Zielvorgaben zu schaffen. Bedürfnisse des Arbeitssuchenden bleiben da auf der Strecke.

Man kümmert sich vorzugsweise um Leicht-Vermittelbare, Creaming nennt sich das, kaum im Computer erfasst, sofort weiterbehandelt und schnell vermittelt; ein leicht verdienter Bonus. Problemfälle werden nicht oder nach einiger Zeit behandelt; sie sind ja arbeitsintensiv und deshalb schlecht für die schon erwähnte Statistik…Rosinenpicken gibt´s in jeder Agentur, auf jeder Ebene. Die alleinstehende Mutter ist da viel schneller im Beratungs- und Berteuungsabseits als J2J- Kräfte (Job-to-Job) ´, die gerade aus einem Job ausscheiden, die Arbeitsagentur richtig Geld kosten würden und weil qualifiziert, leicht vermittelbar sind. Solchen Topkunden wird Priorität, z. B. auch bei der Vergabe von Terminen, eingeräumt. Andere, weniger wichtige Arbeitssuchende, warten wochenlang auf einen Termin. Dies alles steht zwar in eindeutigem Gegensatz zum gesetzlichen Auftrag, aber wen juckt´s? Die Quote muss stimmen!

Zusätzlich wird die Statistik gefälscht. So wird furchtbar gern an Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Diese Rein-Raus-Betriebe eignen sich hervorragend dazu, positive Bilanzen zu erzielen. Vollarbeitsjobs sind da nicht so interessant… Auch Kunden, die ohne Arbeitsamt schon eine Stelle gefunden haben, sind interessant. Mitarbeiter beschäftigen sich damit, diese anzurufen, um die Daten mit in eine erfolgreiche Statistik aufnehmen zu können. Wie blöd ist das denn? Zeit, Geld und Energie aufwenden, für Menschen, die schon in Arbeit und Brot sind?

Umfrageinstitute picken sich regelmäßig Kunden heraus, um über die Betreuungszufriedenheit zu recherchieren, denn dieses Kriterium zahlt in Nürnberg bei der Prämienvergabe. Problemfälle finden sich daher manchmal ohne telefonische Kontaktmöglichkeit, oder mit gewollten Zahlendrehern, denn Negativnachrichten müssen schließlich vermieden werden!

Beliebt ist auch die Einladung der ungeliebten Arbeitssuchenden zu Massenveranstaltungen; wem die ganze Geschichte mal auf den Geist geht und nicht erscheint, ist ausmanövriert. Er wird aussortiert und fällt aus der Statistik. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, wenn sich solche Veranstaltungen häufen, wenn Meldetermine bevorstehen…

Diese und weitere Missstände und die Reaktion der Behörde in „Spiegel 26/13, „Mit allen Mitteln“