Sonntag, 11 August 2013 10:19

Probleme am Bahnhof Mainz und Menschenopfer als Kollateralschäden – wie gehört beides zusammen?

db„Wir wollen Top-Arbeitgeber in Deutschland werden und unsere Mitarbeiter können uns am besten zeigen, was uns da noch fehlt.“ Das sind Worte des Bahnchefs Rüdiger Grube, vor 2 Wochen als Teil der „Strategie DB 2020" formuliert. Unter dem Eindruck der Ereignisse „Mainzer HBF“ klingt diese Äußerung  in höchstem Maße heuchlerisch.

Zur Sache: Hier ist ein Hauptbahnhof einer Landeshauptstadt für Fernzüge kaum noch, für den Regionalverkehr nur eingeschränkt erreichbar. Dies ist kein Tageszustand, sondern wird noch eine Weile anhalten, ohne Gewähr, dass an anderen Orten nicht Gleiches passiert.

Alexander Kirchner, derzeitiger Vorstandschef der deutschen Verkehrs- und Eisenbahngesellschaft: „Die Personaldecke ist mittlerweile so knapp, dass es auch auf anderen Strecken immer wieder zu Zugausfällen kommen kann.“

Was aber ist der Grund für diese permanente Ausdünnung, ja chronische Unterbesetzung in allen Bereichen, vom Stellwerk über Zugbegleitung bis hin zum Lokführer?

 

1994 wurde neben anderer umfangreicher Privatisierungen von öffentlichem Eigentum seitens der damaligen schwarz-gelben Regierung die Deutsche Bahn AG gegründet. Die Bahn sollte im Zuge dieser Privatisierungen in ein privatrechtliches Unternehmen umgewandelt werden. Der Bund behielt zwar die Eigentumsrechte, die Kontrolle über eine weitgehend autonom agierende Unternehmensführung behielt sie jedoch nicht.

Wer sich über die exakten Vorgänge des Börsengangs der Bahn und die teilweise dubiosen Machenschaften in allen Einzelheiten informieren möchte, der sei auf den informativen Artikel von Markus Weber verwiesen. Er sagt schon in 2010 als Folgen der Privatisierungsmanie:

„Dies wirkte sich aus in stark steigenden Preisen, schlechterem Service, Streckenschließungen, nachlassenden Sicherheitsstandards und den sich massiv häufenden unterschiedlichsten Problemen, Zugausfällen, Kälteschäden, Hitzeschäden. Am meisten wurde im Bereich der Infrastruktur gespart, neben den Stilllegungen von ganzen Strecken wurden etwa immer mehr Bahnhofsschalter durch Automaten ersetzt, um Personal einzusparen. Der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär Norbert Hansen übrigens musste in seiner Zeit als Personaldirektor sogar von Mehdorn gestoppt werden, da diesem Hansens Personalabbaupläne zu weit gingen.“

Diese perfide Vorgehensweise gipfelt in besonders verdammungswürdigem Verhalten: Die Bahnstrecken sind vom Bund nur gemietet. Das bedeutet, das Wartungsarbeiten vom Mieter, Reparaturen aber vom Eigentümer erledigt werden müssen. Also spart man an der Wartung, lässt Strecken etc. verrotten, damit die Reparaturen nicht die Bilanzen verderben. Fast kann man hier vermuten, dass Unglücksfälle mit Menschenopfern (es sei an den ICE-Unfall von Enschede 1998 erinnert) hier als „Kollateralschäden“ in Kauf genommen werden.