Freitag, 06 November 2020 16:44

Renten rauf statt Altersarmut

Zu der Veranstaltung „Renten rauf-statt Altersarmut“ hatte Die Linke Goslar am vergangenen Donnerstag in die Begegnungsstätte Oker eingeladen. 20 Besucher*innen kamen, um unter Einhaltung der zurzeit geltenden Coronaregeln, den Vortrag des Rentenpolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion Matthias w. Birkwald, der seinen Wahlkreis in Köln hat, zu hören.


Petra Stolzenburg, Kreisvorsitzende in Goslar begrüßte den Bundestagsabgeordneten mit der Frage, ob man bei dem Thema eine Büttenrede erwarten könne, denn diese gehe ja auf die mitteralterliche Sitte des „Rügenrechts“ zurück, in dessen Rahmen der einfache Mann die Herrschenden ungestraft kritisieren durfte. Und das traf es dann sehr genau.

 

Mit einem Foto, auf dem ein flaschensammelnder Rentner zu sehen war, startete Birkwald seinen Vortrag. Eine Politik, bei der alte Menschen noch Flaschen sammeln müssen, sei unwürdig. Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag bei langjährigen Versicherten mit 35 Beitragsjahren betrug vor 18 Jahren 1021 Euro. 2018 sank er um neun Prozent auf 929 Euro. Nicht zuletzt deshalb kämpft DIE LINKE für den Dreiklang: Gute Arbeit, Gute Löhne und Gute Rente.

Doch immer mehr Altersrentner und -rentnerinnen seien auf Grundsicherung im Alter und Wohngeld angewiesen. Er beziffert den Anstieg der Betroffenenzahl seit 2003 um 116 Prozent, von 257 000 auf 556 000 im Jahr 2019. Bei den vielen Talkshows falle auf, dass die Gäste zum Thema Rente nie über Zahlen reden würden. 62 Prozent aller Menschen, die eigentlich Grundsicherung im Alter beantragen könnten, täten das nicht. Ein Teil wisse es nicht, ein Teil wolle es nicht und schäme sich. Doch immer mehr Altersrentner und -rentnerinnen seien auf Grundsicherung im Alter und Wohngeld angewiesen.

Aber es geht auch anders, z.B. in Östereich. Das österreichische Alterssicherungssystem ist dem deutschen überlegen und das ohne höhere Beitragssatzungsbelastungen. Für alle österreichischen Rentner*innen ab 15 Jahre Beitragszahlung wird eine Grundrente von € 1070,00 gezahlt, ab 30 Jahren und 40 Jahren ist diese nochmal höher gestaffelt. Und das ohne erhöhte Beitragssatzungsbelastung.

Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und trotzdem ist es in Puncto Rente nur Mittelmaß. Fast alle europäischen Länder zahlen ihren Renter*innen mehr Grundrente, erklärt Birkwald anschaulich in vielen Grafiken, die u.a. vom Statistischen Bundesamt und aus der Eurostatistik stammen.

Und dass die Jungen gegen die Alten ausgespielt werden geht überhaupt nicht. Ja, sagt er, es gibt einen demographischen Wandel, aber es gibr auch ein Wirtschaftswachstum, bei der alle Steuerzahler mehr in die Rentenkasse einzahlen. Auch hier hatte Birkwald eine Statistik parat.

Birkwald stellte 11 Bausteine auf, um die Rente menschenwürdig zu gestalten. Er fordert im Bundestag das z.B. alle Erwerbstätigen in die Rentenkasse einzahlen und das das Rentenniveau auf 53 % erhöht wird, um nur zwei der Bausteine zu nennen. Nur so können auch Niedrig- und Geringverdiener ein Leben leben, das menschenwürdig ist.

Am Ende ging Birkwald auf die Betriebsrenten und die Direktversicherungsgeschädigten ein, die auf Ihre angesparten Beträge während des Arbeitslebens bei Auszahlung nochmal Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen müssen. Hier wurde Anfang dieses Jahr lediglich ein Teilerfolg erzielt.

Nach einigen Fragen und Statements aus dem Publukum bedankte sich Petra Stolzenburg nach zwei Stunden Vortrag, welcher teilsweise auch eine Büttenrede war, mit einer kleinen roten Socke und einem Paket Kaffee von den Goslarschen Höfen bei Matthias w. Birkwald.